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Seite 3 von 3 | Jetztzeit | Dennoch, bis Anfang der 1960er Jahre blieb das physiognomische Bild der alten Waldhufensiedlung nahezu intakt. Wegen der steilen Abbruchkante erfolgte eine Bebauung auf der anderen Straßenseite nur an flacheren Stellen. Und bis heute schützt dieses Relief Lüttelforst vor einer weitergehenden Zersiedlung. Nach 1945 setzte eine zunehmende Bebauung ein, zwischen 1945-72 wurden 101(!) Neubauten errichtet; die meisten ab Mitte der 1960er Jahre, dem Einzug der großen Maschinen in die Landwirtschaft. Lüttelforst wuchs baulich und die alte Anlage der Reihensiedlung kam an ihre Grenze. Auf dem Besitz des ehemaligen Halfenhofes (Name geht Ausgestaltung des Pachtvertrages zurück; eine Name für Pächter ist auch Halbwinner) gruppierten sich die Wohnhäuser der heutigen Buchenstrasse als eigenständige Siedlung. Ein Trend, der anhielt, wie eine Fachreferat einer Schülergruppe aus dem Jahre 2002 feststellte: von insgesamt 111 untersuchten Gebäuden waren 38 zwischen 1970 und 2002 neu erbaut- und 18 umgebaut worden, nur 3 stammten aus der Zeit zwischen 1945 und 1970. Nach 2002 sind bis heute noch 5 weitere Neubauten entstanden. Darüber hinaus erhielten Gebäude mit ehemals landwirtschaftlicher Nutzung durch Umbau eine reine Wohnfunktion als Alterssitz oder infolge einer Erbübernahme. Die neuen Bewohner gingen nicht mehr einer landwirtschaftlichen Beschäftigung nach und verpachteten Land und Boden an überwiegend auswärtige Landwirte. Heute gibt es in Lüttelforst keinen Vollbauern mehr. Wie eine Befragung aus dem Jahr 1972 zeigte, waren damals bereits 48% der neue entstandenen Haushalte aus meist städtischen Ballungsgebieten zugezogen. All diese Entwicklungen änderten mit dem Bild des Dorfes auch seine Sozialstruktur. Diese Wandlungen kann man unterschiedlich beurteilen. Wir wollen hier mit der skizzierten Geschichte eines Walhufendorfes am Niederrhein nicht vergangene Zeiten romantisieren, sondern wünschen damit, gerade auch aus aktuellem Anlass der Pläne zu einer 15ha umfassenden Erweiterungen des Tagebaus Nachdenken und Respekt vor dem Erbe dieser Kulturlandschaft zu wecken!
| Quellen, Literatur | - Herlig Zschocke: Die Waldhufensiedlungen am linken Deutschen Niederrhein, Wiesbaden 1963(Kölner Geopgraphische Arbeiten Heft 16);
- Jürgen Bähr und Winfried Golte: Wandlungen in einer niederrheinischen Waldhufensiedlung in; Heimatbuch Viersen 25, 1974, S.200-207;
- Facharbeit im Leistungskurs Erdkunde 2002/03 von B. Bonsels u. P. Korf; die Zahlen verdanken wir dieser Schülerarbeit;
- Georg Waldmann und Sigrid Schröder: Die Nordkanalniederung zwischen Kaarst und Schiefbahn, 2005
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